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wo liegt Köthen?

Rückzüchtung zum Ur? - Wildpferde
 

Heckrinder
sind Abbildzüchtungen des Auer-
ochsen (Ur) , der Stammform aller
heute lebenden Rinderrassen  
Heckrinder werden heute vom
Nabu KV Köthen bzw. der Primigenius
gGmbH zur ganzjährigen Extensivbe-
weidung im Wulfener Bruch eingesetzt.
Z.Z. gibt es 50 Heckrinder im Wulfener
Bruch.  Die Tiere  werden extensiv ge-
halten, d.h. geringe Stückzahl/Fläche, 
keine Zufütterung. Gemeinsam mit 
Przewalskipferden (Wildpferde aus Asien)
beweiden sie dort die Wiesenflächen und
fördern durch selektiven Verbiss und Tritt
eine zunehmend artenreicher werdende
Wiesenflora und -fauna.

 

 

Rückzüchtung zum Ur?
Der Ur oder Auerochse, die Stammform der jetzt lebenden ca. 500 Hausrindrassen, ist 1627 endgültig vom Menschen ausgerottet worden. Auerochsen kamen nahezu in ganz Europa, Nordafrika und großen Teilen Asiens vor. Die Haustierwerdung (Domestikation) des Rindes begann ca. 6000 v. Chr. in der Türkei.

Auerochsen (Bos primigenius) bevölkerten Europa vom Spätpleistozän bis in die Neuzeit. Bejagung, Zerstörung ihres Lebensraumes und Konkurrenz mit dem Hausrind führten zu einer Verdrängung der Auerochsen aus West- und Mitteleuropa, in der Zeit von 1200 bis 1400 n. Chr. Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Reste der Population 60 Kilometer südwestlich von Warschau unter Schutz gestellt. Der Bestand nahm weiter ab und so gab es 1602 nur noch 4 Tiere. Mit der letzten gewilderten Auerochsenkuh starb diese Art 1627 aus.

Der Auerochse war ein großes, stark gebautes Rind mit Widerristhöhen von 1,75 bis 1,88 (2m?) Metern bei den Bullen. Der Geschlechtsdimorphismus war stark ausgeprägt. Die Kühe waren ca. ein Viertel kleiner und entsprechend leichter als die Bullen. Die Tiere hatten eine mittel- bis dunkelbraune Fellfärbung und helle Stirnlocken sowie aufgehellte Bauch- und Beininnenseiten. Die Bullen waren meist schwarz und hatten einen hellen Aalstrich. Das Flotzmaul und die "weißen" Augenringe waren typisch. Die Tiere trugen auf einem großen Kopf dicke und lange Hörner.

Den Ur holt natürlich heute niemand zurück, es gibt aber einen Weg, diese Art zumindest im Äußeren und in vielen ihrer Ansprüche und Verhaltensweisen zu rekonstruieren. Diese Rekonstruktion (Abbildzüchtung) - die über "Rückzüchtung" aus alten Hausrindrassen seit etwa 1930 versucht wird - hat den positiven Nebeneffekt, dass eine Rinderrasse entstand, die hervorragend für Naturschutzzwecke und Pflege der Landschaft genutzt werden kann.

Die Heckrinder ähneln im Aussehen ihrem Vorbild, dem Auerochsen. Jedoch erreichen sie noch nicht die einstige Größe. Sie werden nur 1,30 bis 1,50 Meter groß, die Kühe 600 Kilogramm und die Bullen max. bis 900 Kilogramm schwer. Die Hörnerform und -größe ist noch variabel und meist ist diese "Bewaffnung" kleiner als beim Original. Die Hörner sind hell mit einer dunklen Spitze. Stiere haben eine schwarze, Kühe eine rotbraune bis schwarzbraune Fellfarbe. Typisch beim Auerochsen, sowie beim Heck-Stier waren und sind ein sogenannter Aalstrich auf dem Rücken. Beide Geschlechter haben ein Flotzmaul ("Mehlmaul" = das Maul ist hell umrahmt) und zum Teil helle Augenringe.

Die Rinderrasse zeichnet sich durch hohe Klimahärte (Ausbildung eines dichten Winterfells - ganzjährige Weidehaltung ohne Stall und Unterstand sind problemlos möglich), Robustheit sowie Anspruchslosigkeit (keine oder nur geringe winterliche Zufütterung bei entsprechend großen Flächen) und gute Eignung zur Pflege von Feuchtwiesenflächen, Auegebieten und (Halb-)Offenland aus. Sie benötigt in der Freilandhaltung einen minimalen Betreuungsaufwand, was sie bei extensiver Haltung auch in ökonomischer Sicht lukrativ erscheinen lässt.

Der "Auerochse" soll kein Fleischrind sein und werden. Fleischrinder sind für Feuchtwiesen oft zu schwer (Trittschäden) und weisen nicht die Robustheit und Anspruchslosigkeit der Heckrinder auf. Zufütterung und Pflegeaufwand sind aber auf ein Minimum zu beschränken, weil nur so gewollter Nährstoffentzug auf den Weideflächen erreicht und der Aufwand für die Betreuung gering gehalten werden kann. Ein Heckrind sollte längere Beine als andere Hausrinder haben und im Gegensatz zu muskulösen Fleischrindern keine übermäßige Muskulatur an der Hinterhand aber eine ausgeprägte Nackenmuskulatur.

In unser naturnahen Haltung, soll gerade die landschaftspflegende Wirkung eines (nahezu-)Wildrindes auf die Natur erreicht werden, um so in einem Mosaik von kleinräumigen, vielgestaltigen Lebensräumen ein hohes Artenspektrum und ökologische Stabilität zu erreichen, so wie es der Ur Jahrtausende tat.


 
 

Przewalskipferde

Przewalskipferde werden neben Heckrindern zur Extensiv-beweidung im Wulfener Bruch eingesetzt. Sie sind echte Wildpferde, die in freier Natur ebenfalls ausgerottet wurden und nur in Zoos als Art erhalten werden konnten. Wildpferde kamen in mehreren Unterarten ebenfalls nahezu in ganz Eurasien vor. Die letzten frei lebenden europäischen wurden im 19. Jahrhundert in Polen, die letzten asiatischen ca. 1960 in der Mongolei ausgerottet. Nunmehr gibt es Bestrebungen, Wildpferde wieder in Asien auszuwildern, da in Zoos und Tiergärten ausreichend Tiere nachgezogen wurden. Die Anspruchslosigkeit dieser Pferde ist enorm, so dass sie im Wulfener Bruch mit den Rindern ganzjährig ohne Zufütterung "halbwild" gehalten werden können. Pferde und Rinder haben sehr unterschiedliche Fressgewohnheiten und Vorlieben, so dass mit dem Einsatz beider Arten auf einer Fläche die Ausbildung von Weideunkrautbeständen (z.B. große Brennnesselbestände) verhindert wird.

Foto: Stute Arnika mit Fohlen (Wenk)

Weitere Informationen zum Thema Extensivbeweidung mit Wildpferden und Heckrindern finden Sie unter dem link "Wulfener Bruch" und "Primigenius gGmbH".

 

 

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