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Die
Lösung?
Weil also dieses Gebiet
von Jahr zu Jahr in seiner
ökologischen Wertigkeit
gemindert wird und weil
die z.Z. erfolgenden staatlichen
Ausgleichszahlungen für
die großflächige Mahd
kaum den gewünschten ökologischen
Effekt bringen, haben
wir nunmehr mit Unterstützung
verschiedener Umweltorganisationen
(s. Partner des Projektes)
sukzessive 150 ha Land
gekauft, um selbst auf
diesen und weiteren Flächen
(Kauf und Anpachtungen)
Heckrinder und Przewalski-Pferde
(Wildpferde) einzusetzen.
Wir wollen aber keinen
Zoo in einem Naturschutzgebiet
installieren, auch wenn
die ersten beiden Wildpferde
aus dem Zoo Stendal (Sachsen-Anhalt)
kamen, sondern über modernes
Pflegemanagement einen
alten Kulturzustand, der
die hohe Artenvielfalt
garantiert, wiederherstellen
und so den Nachweis erbringen,
dass nachhaltige extensive
Nutzung (Erzeugung von
Rindfleisch und robusten
Zuchttieren), Landschaftspflege
(Erhaltung einer alten,
vom Menschen geschaffenen
Offenlandschaft) und Naturschutz
(Erhaltung der Artenvielfalt)
zusammen möglich sind.
Projekt der naturschutzgerechten
Feuchtwiesenpflege mit
großen Weidetieren führen
wir nunmehr seit April
1999 durch. Damals begannen
wir auf 13 ha mit 4 Heckrindern.
Mit der Zeit stehen auf
80 ha mehr als 50 Rinder
und 4 Przewalski-Pferde
(Wildpferde), welche die
Wiesenflächen ganzjährig
nutzen und pflegen. Dazu
kommt eine weitere 12
ha große Vergleichsfläche,
die von August bis Februar
mit beweidet und für die
Heugewinnung im ersten
Schnitt gemäht wird.
Mit dem Einsatz des Heckrindes
erhält unser Vorhaben
eine weitere interes-sante
Dimension. Ein Naturschutzverband
erbringt den Nachweis
der Mach-barkeit von naturverträglicher
Bewirtschaftung und überschreitet
die Grenze statischen
Naturschutzes sowie der
Dauerfeindschaft Landwirtschaft-Natur-schutz.
Landwirtschaftliche Bewirtschaftung
und Naturschutz können
eine Einheit bei derartigen
Projekten bilden. Aus
diesem Grunde gründete
der NABU auch die gemeinnützige
Primigenius gGmbH, die
als ökologisch wirtschaftender
Naturland-Betrieb arbeitet.
Woher kommt diese neue
Form des Naturschutzes?
Die Idee der "Natur-entwicklung"
unter dem Einsatz großer
Weidetiere stammt aus
Holland und hat zur Grundlage,
dass in Mitteleuropa große
offene Landschaften ohne
Einwirkung des Menschen
durchaus natürlich sind,
da u.a. Herden großer
Pflanzenfresser (Megaherbivoren)
neben anderen biotischen
(z.B. Insektenfraß, Biber)
und abiotischen Faktoren
(z.B. hohe Grundwasserstände,
Feuer, Wind, Hochwasser
usw.) diese Landschaft
sehr dynamisch gestaltet
haben. Nur so ist die
hohe Anzahl von heimischen
Offenlandarten bei Pflanzen
und Tieren erklärbar.
Heute können also diese
Tiere wie Wildpferd, Wisent,
Rotwild u.a. selbst oder
ökologischer "Ersatz"
durch robuste Rinder-
und Hauspferdrassen dieselbe
oder ähnliche Funktionen
im Naturhaushalt übernehmen
und für eine Vielzahl
anderer Arten die Landschaft
gestalten. Dass diese
Überlegung richtig ist,
beweisen unseren ersten
Ergebnisse, so dass wir
die Weideflächen auf große
Teile des Wulfener Bruches
- verbunden mit einer
Wasserstandsanhebung,
die dem natürlichen nahe
kommt - ausdehnen wollen.
Naturschutz ins Blaue
oder auf der Basis gesicherter
Erkenntnisse? Welche Auswirkungen
auf Pflanzenarten, ausgewählte
Insekten und Vogelwelt
die Vernässung und Extensivbeweidung
im einzelnen haben, untersuchen
Biologen und Studenten
der Fachhochschule Bernburg
in den nächsten Jahren.
Unsere eigenen Beobachtungen
zeigen täglich, dass eine
höhere Arten- und Individuendichte
auf den Extensiv-Beweidungsflächen
vorliegt als auf den im
"Vertragsnaturschutz"
gepflegten Flächen. Als
erstes Resultat kann auf
den Teilflächen beobachtet
werden, dass diese Art
der Feuchtwiesenpflege
den Struktur- und Artenreichtum
deutlich steigert. So
ist auf der Fläche nachweisbar,
auf der 1999 begonnen
wurde, dass von ehemals
2 Rote-Liste-Planzen nun
19 (August 2005)
gefährdete Pflanzenarten
in guten Beständen vorkommen.
Artenliste
(Vollständige Liste
hier)
:
Maßgeblicher Faktor für
das Vorkommen der Rotbauchunke
und des Laub-froschs ist
der Wasserstand im Frühjahr.
Daraus resultiert, dass
natürliche jahreszeitliche
Wasserstandsschwankungen,
z.B. die winterliche Überflutung
weiter Wiesenflächen,
Voraussetzung ist für
eine positive Entwicklung
dieser Landschaft.
Zielstellung
Anliegen ist es, durch
weiteren Flächenzukauf
eine dem Naturschutz dienende
Bewirtschaftung durchzusetzen.
Auf mehr als 300 ha Wiesen
kann dann der Wasserstand
naturnah gehalten werden.
Über Bewirtschaftungsrichtlinien
und ökologischen Nutzungsplan,
die Bestandskartierungen
der Flora und Fauna voraussetzen,
sind die Erfordernisse
des Naturschutzes mit
denen einer ökologisch
betriebenen, also extensiven
Landwirtschaft zu vereinbaren.
Visionär ist natürlich
eine Verbindung des dann
zusammenhängenden NSG
"Wulfener Bruch" mit dem
NSG "Diebziger Busch"
und dem NSG "Neolith-Teich".
Dazu sind aber noch sehr
viele Bemühungen und vor
allem finanzielle Mittel
notwendig. Letztendlich
geht es hier in Wulfen
um die Renaturierung von
mehr als 600 ha ehemaligen
Feuchtgrünlandes, die
heute zum Teil noch Acker
sind. Das Wulfener Bruch
stellte in der Vergangenheit
eines der wichtigsten
Feuchtwiesengebiete in
Sachsen-Anhalt dar. Trotz
des zum Teil drastischen
Artenrückgangs in den
vergangenen 30 Jahren
sind wir der festen Überzeugung,
dass mit der Erhöhung
des Wasserstandes und
einer großflächigen naturschutzgerechten
Pflege/Bewirtschaftung
der Wiesen sich diese
Situation wieder entscheidend
verbessern wird.
Dazu werden wir weiter
auf Teile der Umwandlungsflächen
(ehemaliger Acker) Grasschnitt
im Heumulchverfahren von
wertvollen Wiesen des
Bruches aufbringen, wie
wir das auch schon auf
der 1. Umwandlungsfläche
getan haben, um so autochthones
Samenmaterial auf diese
Flächen zu "impfen". Neben
den bereits laufenden
wissenschaftlichen Untersuchungen
(FH Anhalt-Bernburg, Biosphärenreservatsverwaltung,
Naturschutzbehörde des
Landkreises) wie:
- Entwicklung der Pflanzengesellschaften
und Bestandsentwicklung
einzelner bedrohter Arten,
- Heuschreckenfauna
und Avifauna
werden die wissenschaftlichen
Begleituntersuchungen
auf die Nährstoffversorgung,
Auswaschungstendenzen
von Nährstoffen wie Stickstoff
und Phosphor sowie den
Übertragungserfolg und
die Etablierung von Pflanzen
bei Ansaatversuchen mittels
o.g. Heumulchverfahren
auf ehemaligen Ackerflächen
ausgedehnt werden.
Zielstellung des Projektes
naturschutzgerechte Extensiv-Beweidung
im Wulfener Bruch sind
die Erhaltung, Wiederherstellung
bzw. Förderung reich strukturierter,
artenreicher Lebensraumtypen
in einem abwechslungsreichen
Zeit- und Raumgefüge.
Dabei stellt die Erhaltung
bzw. Wiederherstellung
standorttypischer Vegetation
als Grundlage tierischer
Artengemeinschaften den
Schwerpunkt dar. Ein zeitlich
und räumlich variierendes
Mosaik der Pflanzengesellschaften
von kurzrasigen, häufig
beweideten Gras- und Krautflächen,
über Stauden- und Hochstaudenfluren
bis zu Saum-, Strauch-
und Waldgesellschaften
kann durch das im Aufbau
befindliche Projekt unterstützt
bzw. überhaupt erhalten
werden.
Sind die im Wulfener
Bruch gemachten Erfahrungen
übertragbar?
Sehr wichtig scheint
aus unserer Sicht die
mögliche Übertragbarkeit
des Projektes auf andere
Auen-, Feuchtwiesenstandorte
in Mitteleuropa sowie
die Landschaftspflege
von unterschiedlichsten
Offenlandstandorten, denn
es ist in vielerlei Hinsicht
in der Landwirtschaft
wesentlich vernünftiger,
extensiver dafür aber
ohne sogenannte Stillegungen
zu arbeiten.
Meist sind das Flächen
mit geringer Bonität oder
sie sind zu feucht für
intensive Landwirtschaft
und damit für den Naturschutz
hoch interessant. Man
stelle sich nur vor, ein
großer Teil der Stillegung
wäre in ganzjähriger Extensivbeweidung
und dafür würden die oder
ein großer Teil der Intensivhaltung
bei Rindern wegfallen.
Fleischerzeugung bei Rindern
ist mit entsprechenden
Rassen auch ohne den Einsatz
von energiereicher Nahrung
möglich. Die Konsequenzen
wären enorm: angefangen
von reduzierter Umweltbelastung
mit Stickstoff, Methan,
Medikamenten etc. über
gesündere und artgerecht
gehaltene Tiere, die unbelastetes
und hervorragendes Fleisch
liefern, großem Naturschutzeffekt,
Verringerung von Subventionen,
Schaffung von Arbeitsplätzen.
Der erreichte Projektfortschritt
ist nur denkbar in dieser
engen Zusammenarbeit und
beruht zum wesentlichen
auf dem Erwerb von Flächen.
Nur über diesen Weg gelingt
es, hier Naturschutzinteressen
zu sichern und den Widerspruch
zwischen Landbewirtschaftung
und Naturschutz aufzuheben.
Förderer:

Naturstiftung David
und Sparkasse Anhalt-Bitterfeld
Naturstiftung David und
Sparkasse Anhalt-Bitterfeld
unterstützen das Weideprojekt
im Wulfener Bruch. Die
Primigenius gGmbH verfügt
seit dem 11. November
2010 über feste Fanganlagen
auf allen vier Teilweideflächen
im Wulfener Bruch. Der
Kauf von insgesamt 36
Weidegittern und 6 Weidetoren
wurde durch die Unterstützung
der Naturstiftung David
(2750 Euro) und die Sparkasse
Anhalt-Bitterfeld (1375
Euro) ermöglicht. Durch
den Erwerb der Weidegitter
werden erhebliche Arbeitserleichterungen
für die Mitarbeiter der
Primigenius gGmbH erzielt.
So kann das umständliche
Verlagern der Gitterelemente,
auf dem besonders im Winterhalbjahr
unwegsamen Gelände, seitdem
ausbleiben. Des weiteren
leistet die Investition
einen wichtigen Beitrag
zum Arbeits- bzw. Tierschutz.
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