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Problematik - Arten - Förderer- Partner

 

Wulfener Bruch
Renaturierungsprojekt des NABU

Das mehr als 800 ha große "Wulfener
Bruch" liegt westlich der Stadt Des-
sau im Landkreis Köthen (Sachsen-
Anhalt) und ist Bestandteil des Bio-
sphärenreservats "Flusslandschaft
Elbe", welches sich beidseitig der
Elbe durch Sachsen-Anhalt, Branden-
burg, Niedersachsen und Mecklenburg
erstreckt. Das NSG "Wulfener Bruchwie-
sen" besteht derzeit aus zwei nicht mit-
einander verbundenen Teilflächen, die
 insgesamt ca. 430 ha umfassen. 

 


Heimat bedrohter Arten...

Bei hohem Wasserstand sind die artenreichen Feuchtwiesen als Limikolenbruthabitat von besonderer Bedeutung. Kiebitz und Bekassine sind in Einzelpaaren brütend anzutreffen. Die Rotbauchunke (Bombina bombina) erreicht im Wulfener Bruch ihre südwestliche Verbreitungsgrenze, sie ist auf das Vorhandensein von temporären Gewässern angewiesen.

 

Foto: NABU Sachsen-Anhalt

 
 

Flächenkauf für die Natur:

Seit 1994 bemüht sich der NABU-Kreisverband Köthen, durch Flächenkäufe die Situation im NSG Wulfener Bruch entscheidend und dauerhaft zugunsten der Natur zu verbessern. So konnten bis jetzt mehr als 150 ha für den Naturschutz erworben werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Ackerflächen, welche in Feuchtgrünland umgewandelt werden und die beiden bestehenden NSG-Teile verbinden sollen, und auf tief lieg-enden Grünlandflächen, die aus der Intensivbewirtschaftung genommen werden.


 

Das Problem

Das große Feuchtwiesengebiet des Wulfener Bruches ist durch Abholzung, Beweidung und Mahd entstanden. Durch den Schutzstatus, den ein Teil der Wiesenflächen trägt, müsste man eigentlich zu der Auffassung kommen, dass es hier gut um die Pflanzen- und Tierwelt bestellt ist. Dem ist aber bei weitem nicht so. Entwässerungsmaßnahmen und einseitige zum Teil intensivste Großflächenwirtschaft degradierten dieses Gebiet zusehends. Von Jahr zu Jahr sinkt der ökologische Wert des über 800 ha großen Feuchtwiesengebietes. Hauptursachen sind der unnatürlich niedrige Wasserstand und die uniforme Behandlung großer Flächen (die Mahd innerhalb weniger Tage). Noch kommen in diesem Gebiet seltene Pflanzen (kleine Auswahl) vor: Steifblättriges Knabenkraut und Lungenenzian, Herbst-zeitlose, Sumpf-Wolfsmilch, Kriechweide, Sibirische Schwertlilie, Schmalblättriges Wollgras, Sumpfdotterblume usw. Foto: Grabenunterhaltung im Wulfener Bruch (Wenk)


 

Die Lösung?

Weil also dieses Gebiet von Jahr zu Jahr in seiner ökologischen Wertigkeit gemindert wird und weil die z.Z. erfolgenden staatlichen Ausgleichszahlungen für die großflächige Mahd kaum den gewünschten ökologischen Effekt bringen, haben wir nunmehr mit Unterstützung verschiedener Umweltorganisationen (s. Partner des Projektes) sukzessive 150 ha Land gekauft, um selbst auf diesen und weiteren Flächen (Kauf und Anpachtungen) Heckrinder und Przewalski-Pferde (Wildpferde) einzusetzen.

Wir wollen aber keinen Zoo in einem Naturschutzgebiet installieren, auch wenn die ersten beiden Wildpferde aus dem Zoo Stendal (Sachsen-Anhalt) kamen, sondern über modernes Pflegemanagement einen alten Kulturzustand, der die hohe Artenvielfalt garantiert, wiederherstellen und so den Nachweis erbringen, dass nachhaltige extensive Nutzung (Erzeugung von Rindfleisch und robusten Zuchttieren), Landschaftspflege (Erhaltung einer alten, vom Menschen geschaffenen Offenlandschaft) und Naturschutz (Erhaltung der Artenvielfalt) zusammen möglich sind.

Projekt der naturschutzgerechten Feuchtwiesenpflege mit großen Weidetieren führen wir nunmehr seit April 1999 durch. Damals begannen wir auf 13 ha mit 4 Heckrindern. Mit der Zeit stehen auf 80 ha mehr als 50 Rinder und 4 Przewalski-Pferde (Wildpferde), welche die Wiesenflächen ganzjährig nutzen und pflegen. Dazu kommt eine weitere 12 ha große Vergleichsfläche, die von August bis Februar mit beweidet und für die Heugewinnung im ersten Schnitt gemäht wird.

Mit dem Einsatz des Heckrindes erhält unser Vorhaben eine weitere interes-sante Dimension. Ein Naturschutzverband erbringt den Nachweis der Mach-barkeit von naturverträglicher Bewirtschaftung und überschreitet die Grenze statischen Naturschutzes sowie der Dauerfeindschaft Landwirtschaft-Natur-schutz. Landwirtschaftliche Bewirtschaftung und Naturschutz können eine Einheit bei derartigen Projekten bilden. Aus diesem Grunde gründete der NABU auch die gemeinnützige Primigenius gGmbH, die als ökologisch wirtschaftender Naturland-Betrieb arbeitet.

Woher kommt diese neue Form des Naturschutzes? Die Idee der "Natur-entwicklung" unter dem Einsatz großer Weidetiere stammt aus Holland und hat zur Grundlage, dass in Mitteleuropa große offene Landschaften ohne Einwirkung des Menschen durchaus natürlich sind, da u.a. Herden großer Pflanzenfresser (Megaherbivoren) neben anderen biotischen (z.B. Insektenfraß, Biber) und abiotischen Faktoren (z.B. hohe Grundwasserstände, Feuer, Wind, Hochwasser usw.) diese Landschaft sehr dynamisch gestaltet haben. Nur so ist die hohe Anzahl von heimischen Offenlandarten bei Pflanzen und Tieren erklärbar.

Heute können also diese Tiere wie Wildpferd, Wisent, Rotwild u.a. selbst oder ökologischer "Ersatz" durch robuste Rinder- und Hauspferdrassen dieselbe oder ähnliche Funktionen im Naturhaushalt übernehmen und für eine Vielzahl anderer Arten die Landschaft gestalten. Dass diese Überlegung richtig ist, beweisen unseren ersten Ergebnisse, so dass wir die Weideflächen auf große Teile des Wulfener Bruches - verbunden mit einer Wasserstandsanhebung, die dem natürlichen nahe kommt - ausdehnen wollen.

Naturschutz ins Blaue oder auf der Basis gesicherter Erkenntnisse? Welche Auswirkungen auf Pflanzenarten, ausgewählte Insekten und Vogelwelt die Vernässung und Extensivbeweidung im einzelnen haben, untersuchen Biologen und Studenten der Fachhochschule Bernburg in den nächsten Jahren. Unsere eigenen Beobachtungen zeigen täglich, dass eine höhere Arten- und Individuendichte auf den Extensiv-Beweidungsflächen vorliegt als auf den im "Vertragsnaturschutz" gepflegten Flächen. Als erstes Resultat kann auf den Teilflächen beobachtet werden, dass diese Art der Feuchtwiesenpflege den Struktur- und Artenreichtum deutlich steigert. So ist auf der Fläche nachweisbar, auf der 1999 begonnen wurde, dass von ehemals 2 Rote-Liste-Planzen nun 19 (August 2005) gefährdete Pflanzenarten in guten Beständen vorkommen.

Artenliste (Vollständige Liste hier) :

Maßgeblicher Faktor für das Vorkommen der Rotbauchunke und des Laub-froschs ist der Wasserstand im Frühjahr. Daraus resultiert, dass natürliche jahreszeitliche Wasserstandsschwankungen, z.B. die winterliche Überflutung weiter Wiesenflächen, Voraussetzung ist für eine positive Entwicklung dieser Landschaft.

Zielstellung

Anliegen ist es, durch weiteren Flächenzukauf eine dem Naturschutz dienende Bewirtschaftung durchzusetzen. Auf mehr als 300 ha Wiesen kann dann der Wasserstand naturnah gehalten werden. Über Bewirtschaftungsrichtlinien und ökologischen Nutzungsplan, die Bestandskartierungen der Flora und Fauna voraussetzen, sind die Erfordernisse des Naturschutzes mit denen einer ökologisch betriebenen, also extensiven Landwirtschaft zu vereinbaren.

Visionär ist natürlich eine Verbindung des dann zusammenhängenden NSG "Wulfener Bruch" mit dem NSG "Diebziger Busch" und dem NSG "Neolith-Teich". Dazu sind aber noch sehr viele Bemühungen und vor allem finanzielle Mittel notwendig. Letztendlich geht es hier in Wulfen um die Renaturierung von mehr als 600 ha ehemaligen Feuchtgrünlandes, die heute zum Teil noch Acker sind. Das Wulfener Bruch stellte in der Vergangenheit eines der wichtigsten Feuchtwiesengebiete in Sachsen-Anhalt dar. Trotz des zum Teil drastischen Artenrückgangs in den vergangenen 30 Jahren sind wir der festen Überzeugung, dass mit der Erhöhung des Wasserstandes und einer großflächigen naturschutzgerechten Pflege/Bewirtschaftung der Wiesen sich diese Situation wieder entscheidend verbessern wird.

Dazu werden wir weiter auf Teile der Umwandlungsflächen (ehemaliger Acker) Grasschnitt im Heumulchverfahren von wertvollen Wiesen des Bruches aufbringen, wie wir das auch schon auf der 1. Umwandlungsfläche getan haben, um so autochthones Samenmaterial auf diese Flächen zu "impfen". Neben den bereits laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen (FH Anhalt-Bernburg, Biosphärenreservatsverwaltung, Naturschutzbehörde des Landkreises) wie:

- Entwicklung der Pflanzengesellschaften und Bestandsentwicklung einzelner bedrohter Arten,

- Heuschreckenfauna und Avifauna

werden die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen auf die Nährstoffversorgung, Auswaschungstendenzen von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor sowie den Übertragungserfolg und die Etablierung von Pflanzen bei Ansaatversuchen mittels o.g. Heumulchverfahren auf ehemaligen Ackerflächen ausgedehnt werden.

Zielstellung des Projektes naturschutzgerechte Extensiv-Beweidung im Wulfener Bruch sind die Erhaltung, Wiederherstellung bzw. Förderung reich strukturierter, artenreicher Lebensraumtypen in einem abwechslungsreichen Zeit- und Raumgefüge. Dabei stellt die Erhaltung bzw. Wiederherstellung standorttypischer Vegetation als Grundlage tierischer Artengemeinschaften den Schwerpunkt dar. Ein zeitlich und räumlich variierendes Mosaik der Pflanzengesellschaften von kurzrasigen, häufig beweideten Gras- und Krautflächen, über Stauden- und Hochstaudenfluren bis zu Saum-, Strauch- und Waldgesellschaften kann durch das im Aufbau befindliche Projekt unterstützt bzw. überhaupt erhalten werden.

Sind die im Wulfener Bruch gemachten Erfahrungen übertragbar?

Sehr wichtig scheint aus unserer Sicht die mögliche Übertragbarkeit des Projektes auf andere Auen-, Feuchtwiesenstandorte in Mitteleuropa sowie die Landschaftspflege von unterschiedlichsten Offenlandstandorten, denn es ist in vielerlei Hinsicht in der Landwirtschaft wesentlich vernünftiger, extensiver dafür aber ohne sogenannte Stillegungen zu arbeiten.

Meist sind das Flächen mit geringer Bonität oder sie sind zu feucht für intensive Landwirtschaft und damit für den Naturschutz hoch interessant. Man stelle sich nur vor, ein großer Teil der Stillegung wäre in ganzjähriger Extensivbeweidung und dafür würden die oder ein großer Teil der Intensivhaltung bei Rindern wegfallen. Fleischerzeugung bei Rindern ist mit entsprechenden Rassen auch ohne den Einsatz von energiereicher Nahrung möglich. Die Konsequenzen wären enorm: angefangen von reduzierter Umweltbelastung mit Stickstoff, Methan, Medikamenten etc. über gesündere und artgerecht gehaltene Tiere, die unbelastetes und hervorragendes Fleisch liefern, großem Naturschutzeffekt, Verringerung von Subventionen, Schaffung von Arbeitsplätzen.

Der erreichte Projektfortschritt ist nur denkbar in dieser engen Zusammenarbeit und beruht zum wesentlichen auf dem Erwerb von Flächen. Nur über diesen Weg gelingt es, hier Naturschutzinteressen zu sichern und den Widerspruch zwischen Landbewirtschaftung und Naturschutz aufzuheben.

Förderer:

Naturstiftung David und Sparkasse Anhalt-Bitterfeld

Naturstiftung David und Sparkasse Anhalt-Bitterfeld unterstützen das Weideprojekt im Wulfener Bruch. Die Primigenius gGmbH verfügt seit dem 11. November 2010 über feste Fanganlagen auf allen vier Teilweideflächen im Wulfener Bruch. Der Kauf von insgesamt 36 Weidegittern und 6 Weidetoren wurde durch die Unterstützung der Naturstiftung David (2750 Euro) und die Sparkasse Anhalt-Bitterfeld (1375 Euro) ermöglicht. Durch den Erwerb der Weidegitter werden erhebliche Arbeitserleichterungen für die Mitarbeiter der Primigenius gGmbH erzielt. So kann das umständliche Verlagern der Gitterelemente, auf dem besonders im Winterhalbjahr unwegsamen Gelände, seitdem ausbleiben. Des weiteren leistet die Investition einen wichtigen Beitrag zum Arbeits- bzw. Tierschutz.

 

  Unsere Partner im Wulfener Bruch:

Vogelschutz-Komitee e.V. VsK

Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)

Zoologische Gesellschaft Frankfurt e.V. (ZGF)

NABU-Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.

 

Heckrinder
 

Gänsejagd
 
Praktika
 
Wir bieten laufend Praktikumsplätze an....
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Spießblätt. Helmkraut

Foto: Wenk

 

 

 

 

 
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