Rinder, Pferde und Schafe als Landschaftspfleger

Große Pflanzenfresser schaffen neue Lebensräume

Der NABU Köthen bzw. die Primigenius gGmbH setzt Heckrinder und Koniks zur ganzjährigen Beweidung im Wulfener Bruch und in der Oranienbaumer Heide ein. Eine weitere Fläche in der Elsdorfer Sandkiethe wird mit der gefährdeten Haustierrasse Rohwolliges Pommersches Landschaf beweidet. Die Tiere werden extensiv, also mit sehr geringen Stückzahlen pro Fläche, gehalten (z.B. in der Heide ein Tier auf 7-8 ha). Dabei bleibt in den Sommermonaten viel von der Vegetation stehen, welche den Tieren dann im Winter als „”Futter auf dem Halm”“ dient. In Wulfen muss bei normalen Wetterverhältnissen kein zusätzliches Heu gefüttert werden. In der Oranienbaumer Heide ist es magerer und trockener. Ein Zufüttern ist hier in der kalten Jahreszeit immer nötig.

Die Rinder und Pferde fördern eine artenreiche Flora und Fauna. Wichtig sind hierbei vor allem selektives Abfressen der Pflanzen, Transport und Kreislauf der Nährstoffe auf der Weidefläche und die Verwundung des Bodens durch Tritt, Scharren und Wälzen. Die dadurch entstehende hohe Strukturvielfalt ermöglicht auch das Wachstum konkurrenzschwacher Arten.

Das Heckrind

Abbildzüchtungen des Auerochsen (Ur)

Heckrind
Heckrind

Das Heckrind ist eine Abbildzüchtung des in Mitteleuropa bereits im 16. Jahrhundert ausgerotteten Auerochsen (Bos primigenius) oder Ur. Die Gebrüder Heck, Zoodirektoren in München und Berlin, begannen in den 1920er Jahren mit ersten „Rückzüchtungsversuchen“. Die heutigen Heckrinder weisen eine gewisse Ähnlichkeit mit den wilden Auerochsen auf, sind mit Widerristhöhen von max. 1,60 m bei den Bullen bzw. 1,35 m bei den Kühen aber deutlich kleiner. Viele Bullen sind schwarz mit gelbem Aalstrich und weißem Mehlmaul. Die Kühe sind braun oder schwarz gefärbt. Die Kälber werden braun geboren und färben nach einigen Monaten um. Heckrinder sind ideale Tiere für die Landschaftspflege in Mitteleuropa: –robust, langlebig, wehrhaft, aber immer noch keine Auerochsen, sie bleiben (vorerst?) Haustiere.

 

Das wird bereits daran deutlich, dass sie wie alle anderen Rinder in der Europäischen Union auch, strengen veterinärrechtlichen Vorgaben unterworfen werden.

 

Diese Eigenschaften zeichnen das Heckrind als guten Landschaftspfleger aus:

  • hohe Klimahärte (Ausbildung eines dichten Winterfells - ganzjährige Weidehaltung ohne Stall und Unterstand ist problemlos möglich)
  • Robustheit
  • Anspruchslosigkeit (keine oder nur geringe winterliche Zufütterung bei entsprechend großen Flächen)
  • gute Eignung zur Pflege von Feuchtwiesenflächen, Auegebieten und (Halb-) Offenland

Zudem benötigt es in der Freilandhaltung einen minimalen Betreuungsaufwand, was es bei extensiver Haltung auch in ökonomischer Sicht attraktiv macht.

 

In unserer naturnahen Haltung soll gerade die landschaftspflegende Wirkung eines (nahezu-) Wildrindes auf die Natur erreicht werden, um in einem Mosaik von kleinräumigen, vielgestaltigen Lebensräumen ein hohes Artenspektrum und ökologische Stabilität zu erreichen, so wie es der Ur Jahrtausende tat. (aw/jd/07.05.13)

Quellen:

  • Bunzel-Drüke et.al. (2008): Praxisleitfaden für die Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung, ABU e.V.
  • Grzimek (Hrsg.): Enzyklopädie des Tierreichs, Band 13


Das Konik

Polnischen “Pferdchen”

Koniks sind Nachfahren der letzten Wildpferde in Polen, die um 1780 bei Bialowieza gefangen wurden. In Gefangenschaft wurden die Tiere mit anderen Hauspferderassen gekreuzt. Im 20. Jahrhundert wurden zudem „Rückzüchtungsversuche“ unternommen, um der Urform des europäischen Wildpferdes, dem Tarpan, nahe zu kommen. Koniks sind grau mit Hänge- bzw. Kippmähne insbesondere im Jugendalter. Die mittlere Widerristhöhe der Tiere beträgt 133 - 135 cm.

Zur Zeit weiden etwa 74 Konik-Pferde in der Oranienbaumer Heide. (jn/jd/31.01.19)

Koniks
Konikstute mit Fohlen

Quellen:

  • Bunzel-Drüke et.al. (2008): Praxisleitfaden für die Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung, ABU e.V.
  • Grzimek (Hrsg.): Enzyklopädie des Tierreichs, Band 13

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf

Alte und gefährdete Haustierrasse

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf ist eine mischwollige, hornlose Schafsrasse von grauer bis blaugrauer Farbe. Die Lämmer werden schwarz geboren.

Rauhwoller kommen auf trockenen, armen Sandstandorten sehr gut zurecht. Auch ungünstige Witterungsverhältnisse machen den Grauröcken nichts aus.

Die sehr alte Schafsrasse ist vermutlich aus einer Kreuzung des früheren Zaupelschafes mit dem Hannoverschen Schaf hervorgegangen. 

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf wird vorrangig in der Landschaftspflege eingesetzt. Sie sind gute Futterselektierer, welche die Vegetation auf nährstoffarmen Böden sehr gut verwerten können.

Quellen:

  • Hans Hinrich Sambraus; Farbatlas Nutztierrassen - 250 Rassen in Wort und Bild; 6. Auflage; 1986,2001 Eugen Ulmer GmbH & Co.; Stuttgart, S.120
  • Norbert Gloor (2011): Rauhwoller. http://rauhwoller.de/index.html (25.01.2018)

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